Thermotherapie der benignen Prostatahyperplasie

Artikel aus dem Urologen A (1995) 34: 16-24 copyright Springer Verlag 1995
mit freundlicher Genehmigung der Springer Verlag GmbH & Co.KG

K.Höfner, H.Krah, H.K. Tan, M. Kuczyk und U. Jonas
Urologische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover

Die transurethrale Mikrowellenthermotherapie (TUMT) ist eine der neuen alternativen Konzepte zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie. Obwohl die TUMT national und international nahezu täglich angewendet wird, ist die Diskussion um die Effektivität der Methode noch längst nicht abgeschlossen. Die Meinungen reichen von einer generellen Ablehnung bis hin zur uneingeschränkten Akzeptanz als echte Konkurrenz zur TURP, dem immer noch geltenden "Goldstandard".

Es ist inzwischen klar geworden, daß erst intraprostatische Temperaturen über 45 Grad Celsius  zu einer Gewebsschädigung führen, so daß in der Beurteilung der Effektivität der Mikrowellenapplikation dieser Temperaturgrenzwert intraprostatisch eine zentrale Rolle spielt. Die intraprostatische Temperatur von 45'C gilt als Grenze zur Unterscheidung zwischen Hyperthermie und Thermotherapie (International Consultation on Benign Prostatic Hyperplasia, Paris 1993). Alle Methoden, die intraprostatisch unter 45'C bleiben, können keine irreversible Gewebsschädigung erzeugen und erreichen die berichteten subjektiven Behandlungserfolge über einen Hot- water- bottle- bzw. Placeboeffekt.

Devonec (6 -13 ) entwickelte zusammen mit Technomed (Lyon) ein Mikrowellenverfahren zur Therapie der benignen Prostatahyperplasie, das mit dem Erreichen einer intraprostatischen Temperatur zwischen 45 Grad C. und 60 Grad Celsius potentiell in den Bereich der Schädigung benigner Prostatazellen gelangt. Zwischenzeitlich sind weltweit ca. 25000 Behandlungen an 70 Zentren mit dem Prostatron ® durchgeführt worden. International stehen die Daten aus einem FDA-Protokoll von 16 Zentren Europas und den USA zur Verfügung. Die Wirkung der Thermotherapie wurde randomisiert gegenüber Placebo und gegenüber der TURP geprüft. Die Wirkung der Thermotherapie auf die BPH-Auslaßobstruktion wurde erstmals in der Urologischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht, wobei diese Ergebnisse mittlerweilen auch international Bestätigung finden [5,32].

Technische Voraussetzungen

Um intraprostatische Temperaturen, von mehr als 45'C zu erzeugen, sind bestimmte technische Voraussetzungen erforderlich. In unterschiedlichen Geräteausstattungen wird die Mikrowellenantenne entweder transurethral oder transrektal appliziert. Die kritische Grenze der Schädigung von Rektum- bzw. Urethralschleimhaut liegt bei ca. 45'C. Physikalisch ist klar, daß die entstehende Hitze im Gewebe ohne Kühlung proportional zum Abstand von der Mikrowellenantenne abnimmt, so daß die größte Gewebsschädigung bei urethralen Systemen urethranah und bei transrektalen Systemen an der Rektumschleimhaut entstehen würde. Ohne Kühlung würden in Rek- tum oder Urethra durch die Energieverluste Temperaturen um 70' erforderlich sein, um intraprostatisch die kritische Temperaturgrenze von 45'C zu erreichen. Im Vergleich zur TURP spielt diese Tatsache bei urethralen Systemen sicherlich eine untergeordnete Rolle, ist jedoch bei transrektal arbeitenden Maschinen wegen der Gefahr der Rektum-Blasen- oder Rektum-Urethra-Fistel von entscheidender Bedeutung. Letztere erreichen ohne Kühlung demnach intraprostatisch Temperaturen von nur 40'- 42'C, die nachweislich zu keiner Nekrose des intraprostatischen Gewebes führen.

 Abb.1a-d. Abb. 1 a-d. Technisches Prinzip der transurethralen Mikrowellenthermotherapie (TUMT, nach [121). a Die an der Mikrowellenantenne meßbare Temperatur liegt bei ca. 70'C, um entsprechend ihres exponentiellen Abfalls eine intraprostatische Temperatur von 45'C zu erreichen. b Durch das Zusammenwirken von transurethraler Temperatur des Kühlflüssig- keit (hier bei 20'C) kommt es zur Kühlung der Mikrowellenantenne, und es entsteht ein re- sultierender Temperaturverlauf, der die urethrale Temperatur in physiologischen Werten beläßt und erst intraprostatisch Temperuren über 45'C erzeugt. c Die Grenze der Tempe- ratur über 45'C (Grenze der Zellschädigung) liegt hier in einer Gewebstiefe zwischen 0,3 und 1,3 cm. d Durch die zirkuläre Nitzeabstrahlung der Mikrowellenantenne entsteht eine zirkuläre intraprostatische Gewebsschädigungszone, die die Urethra ausspart

Die transurethrale Applikation einer gekühlten Mikrowellenantenne (TUMT) hat sich deshalb zum Standard dieser Therapieform entwickelt. Die transurethrale Anwendung gestattet wegen der radiären Hitzeabstrahlung eine Beeinflussung der Prostata in der vollen Zirkumferenz. Ein durch die Kühlung entstehendes spezifisches Hitzeprofil (Abb. 1) hat zur Folge, daß erst in einer bestimmten Gewebstiefe in einem Abstand von 3-5 mm von der urethralen Schleimhaut eine intraprostatische Temperatur von mehr als 45'C erreicht wird [9, 11, 12]. Durch die Kühlung erklärt sich erstens die fehlende Gewebeabstoßung, da die Harnröhrenschleimhaut erhalten bleibt und zweitens die schmerzarme Behandlung, da die thermische Schmerzwelle der Urethra bei ca. 45'C liegt.

Wirkprinzipien

In Tierversuchen und an der menschlichen Prostata konnten Devonec et al. (8, 9, 12)  histologisch zeigen, daß mit der transurethralen Mikrowellenthermotherapie eine objektive Gewebeschädigung zu erreichen ist. Die mikrowelleninduzierte Gewebsschädigung führt zunächst zu einer Koagulationsnekrose, die infolge der radialen Applikation in beiden Prostatalappen eine Schmetterlingsform aufweist. Mikroskopisch zeigt die Koagulationsnekrose im Zentrum eine vollständige Zerstörung glandulärer Anteile und glatter Muskelzellen. Kapillaren thrombosieren, während größere Gefäße erhalten bleiben. Zwischen Urethra und Beginn der Koagulationsnekrose existiert ein scharfer Übergang, und die Urethra bleibt durch die Kühlung unbeeinflußt; 2-3 Wochen nach TUMT tritt eine granulomatöse Reaktion an der Außenseite der Koagulationsnekrose auf. Diese Reaktion wird von Gefäßneubildungen und lymphohistiozytärer Infiltration begleitet. 1-2 Monate nach Behandlung bildet sich eine Narbe. Eine Re- generation von Drüsen und glatten Muskelzellen findet nicht statt. Die Einwirktiefe beträgt 15-20 mm. Urethrale Schleimhaut, Blasenhals, periphere Prostata und externer Spinkter bleiben erhalten. Klinisch können nach einigen Tagen im transrektalen Ultraschall Zonen hypodenser Areale gesehen werden. Bei der digitalen Untersuchung sind keine wesentlichen Unterschiede festzustellen. Je nach Länge und Abstand der Mikrowellenantenne vom Blasen- hals werden vorwiegend die Seitenlappen (Hitzepunkt 10-20 mm distal des Blasenhalses, Katheter C10, C20) oder Seiten- und Mittellappen (Hitzepunkt direkt am Blasenhals, Katheter CO) behandelt, so daß sich die Auswahl unterschiedlicher Kathetertypen auf der Basis verschiedener Prostatagrößen und -formen (mit oder ohne Mittellappen) ergibt. Es ist noch immer nicht endgültig geklärt, wie die Thermotherapie ihre Wirkung auf die objektiven und subjektive Symptome bei BPH-Patienten erreicht. Es ist anzunehmen, daß die
subjektive Symptomatik (Irritation) über den nachgewiesenen Effekt auf die vegetativen Nerven beeinflußt wird (26). Ein potentieller Effekt der Thermotherapie auf die Senkung des Auslaßwiderstandes wurde angenommen, indem die der Gewebsnekrose folgende Schrumpfung des Gewebes eine Aufweitung des Urethralvolumens in der prostatischen Harnröhre erzeugt. (Abb. 2).
Über diese Modellvorstellung ergab sich zunächst auch die Meinung, die Thermotherapie könne ein zur TURP konkurrierendes Verfahren sein.

Abb.2

Abb. 2. Modellvorstellung der Wirkung der TUMT auf die Auslaßobstruktion. (Das TUMT-geschädigte intraprostatische Gewebe schrumpft im Rahmen der Narbenbildung und führt so zu einer Aufweitung des Lumens der Pars prostatica urethrae)


Studien

Erfahrungen mit der transurethralen Mikrowellenthermotherapie (TUMT) sind derzeit am besten durch das Prostatron® in klinischen Phase-II- und III Studien
dokumentiert [1-4, 8, 9, 18, 20, 27, 32 ]. Das maximale Follow-up liegt bei 36 Monaten. Schwere Komplikationen durch die Mikrowellenanwendung wie Fisteln zum Rektum oder zur Harnröhre bzw. Harnblasenverletzungen sind dabei nicht aufgetreten, so daß die Methode als sicher gelten kann.

Ergebnisse der internationalen Multicenterstudie (FDA-Protokoll- 16 Zentren Europa und USA)

Bereits 1992 wurde mitgeteilt, daß die klinische Gesamtresponserate der TUMT bei 75% liegt (25% Heilung, 50% Besserung, 25% Versager). Im Rahmen eines FDA-Protokolls sind nunmehr Daten von über 1000 Patienten aus 16 Zentren Europas und den USA über einen Nachbeobachtungszeitraum
von 18 Monaten vorhanden. (Tabelle1) [ 20 ].

Tabelle 1

Der im Rahmen des FDA-Protokolls genutzte Symptomenscore nach Madsen zeigt bereits 4 Wochen post TUMT überzeugende Resultate. Die objektiven Daten wie Anstieg des Qmax und sinkende Restharnmengen konnten als signifikant erst nach 3 Monaten dokumentiert werden. Die Behandlungseffekte sind in den publizierten Ergebnissen bis 18 Monate konstant, wobei nur 16 Patienten im 18-Monate-Follow-up enthalten sind und deshalb der weitere Verlauf der Studie abzuwarten bleibt.

Sham-Studien

Es konnte in doppelblinden randomisierten Studien zwischen Thermotherapie und Scheinbehandlung (Sham-Studies) gezeigt werden, daß die TUMT signifikant bessere Ergebnisse sowohl hinsichtlich der subjektiven als auch der objektiven Daten gegenüber der Scheinbehandlung erreicht. (Tab 2). Während im Charing Cross Hospital [10, 24, 25 ] kaum Placeboeffekte nachgewiesen werden konnten, zeigt die Studie der Mayo Clinic [1] die bekannten Placebowirkungen der BPH.

Randomisierte Vergleichsstudie zwischen TUMT und TURP

Zur Klärung des Unterschiedes TURP-TUMT ist ein randomisierter Vergleich dieser beiden Methoden essentiell. Die Erfahrungen in der eigenen Klinik haben gezeigt, daß eine derartige Studie extrem schwierig durchzuführen ist, da die Mehrheit der Patienten vorgefaßten Vorstellungen über die Therapie ihrer BPH besitzen und deshalb eine Randomisierung ablehnen.

Tabelle 2

Es ist der Gruppe um Pettersson (Göteborg, Schweden) zu verdanken, daß nunmehr randomisierte Ergebnisse beider Methoden mit einer signifikanten Patientenzahl vorliegen [4, 27]. Es wurden 38 Patienten mit TUMT und 44 Patienten mit TURP behandelt. Beide Patientengruppen waren nach der Randomisierung in Alter, Prostatavolumen, Madsen-Score, maximale Harnflußrate und Restharnvolumen statistisch vergleichbar. Das durchschnittliche Resektionsgewicht in der TURP-Gruppe lag bei 18,7 ± 13,4g. Der mittlere stationäre Aufenthalt lag bei 5 ± 1,9 Tagen. Die TURP-Gruppe war hinsichtlich Resektionsgewicht, Verbesserung des Symptomscores und Ver- besserung im maximalen Harnfluß mit international großen Studien ver- gleichbar. Im Gruppenvergleich TUMT - TURP (Tabelle 3) war die Verbesserung der subjektiven Patientensymptome statistisch identisch. Die Verbesserung der objektiven Daten wie Restharn und maximaler Harnfluß war nach TUMT statistisch signifikant kleiner.

Tabelle 3

Dosisabhängige Wirkungen

Im Laufe der Entwicklung der Thermotherapie war naturgemäß zunächst unklar, welche Energiemenge ohne Komplikationen wie Fisteln und Abszesbildung appliziert werden kann. Das Prostatron® arbeitete deshalb zunächst mit den Softwaresteuerungen Prostasoft® 1 und 11. Zwischenzeitlich ist auch eine Prostasoft® T-A zur Behandlung der obstruktiven BPH entwickelt worden. Eine retrospektive Studie wurde von Devonec et al. (1993) publiziert [10]. Es zeigt sich daß mit Erhöhung der Mikrowellen-Leistung von Prostasoft® 1 nach T-A (Tabelle 4 a) sowohl intraprostische Temperatur, PSA- Anstieg und histologische Veränderungen klar dosisabhängig sind. Eine retrospektive multizentrische Analyse von Respondern vs. Nonrespondern [13] (Tabelle 4b) zeigt, daß auch die klinische Responserate von der applizierten Wärmeenergie abhängig ist. Die Entwicklung der Thermoablation mit intraprostatischen Temperaturen über 70´C ist eine Entwicklung in Richtung Behandlung der BPH-Obstruktion, wobei die zur Verfügung stehenden klinischen Daten für ein abschließendes Urteil bisher nicht ausreichend sind. Es zeichnet sich ab, daß mit Erhöhung der Maschinenleistung auch spezielle Komplikationen wie Rate der passageren Harnverhaltung und Schmerz während der Therapie zunehmen werden [10].

Tabelle 4

Eigene Ergebnisse

Die Berichte des Effekts der TUMT auf die Auslaßobstruktion sind bisher spärlich, wenn man die bekannte Tatsache in Rechnung stellt, daß Uroflowmetrie und Restharn nur sehr unsichere Parameter zur Beschreibung der mechanischen BPH-Obstruktion sind. Ziel der eigenen Studie war es deshalb, speziell diese Seite der TUMT-Wirkung zu untersuchen.
Die Patienten wurden unter der Voraussetzung einer prinzipiellen bestehenden Indikation zur Therapie der BPH in die Studie aufgenommen.
Entsprechend einem internationalen FDA-Protokoll waren die Haupteinschlußkriterien: Madsen- Symptomenscore > 8, prostatische Urethralänge im transrektalen Ultraschall 35-50 mm, Qmax < 15 ml/s bei einem Miktionsvolumen > 150 ml, kein Nachweis eines prominenten Mittellappens oder einer Blasenhalssklerose. Patienten mit nicht BPH- bedingten Miktionsstörungen oder Verdacht auf PCA wurden ausgeschlossen. Bisher wurden 140 BPH- Patienten mit TUMT mit dem Prostatron® behandelt. Bei 2 Patienten war die Einlage des Thermotherapiekatheters nicht möglich, bei weiteren 3 mußte die Therapie wegen intolerabler Schmerzen abgebrochen werden. Das Follow-up beinhaltete Besuche nach 1 Woche, 6 Wochen, 3 Monaten, 6 Monaten und 1 Jahr nach TUMT. Prätherapeutisch und zu jedem Kontrolltermin wuren Madsen-Score, Miktionsprotokoll, Uroflow und Messung des Prostalavolumens im TRUS durchgeführt.

Abb.3

Prätherapeutisch und nach 3 Monaten erfolgte eine urodynamische Messung mit Zystometrie und Druck-Fluß-Messung. Die Druck- Fluß-Studien wurden computerunterstützt mit Analyse der Passive Urethral Resistance Relation (PURR) [29] mit dem Programm AUDITTM [15, 16, 17] durchgeführt. Von 71 Patienten mit prätreatment Urodynamik liegen derzeit vollständige Daten von 32 Patienten vor. In Übereinstimmung mit internationalen Ergebnissen verbesserte sich der Symptomenscore sowohl obstruktiv als auch irritativ schnell (Abb.3). Die Harnflußrate stieg signifikan (Abb. 4), auch nach Volumenkorrektur (Flowindex) [14]. Im Unterschied zu den Erfahrungen der Mehrheit anderer Zentren veränderte sich der Restharn nicht signifikant (Abb. 5). Gleichfalls sind die objektiven Daten aus der Zystometrie (maximale Blasenkapazität, erster Harndrang) unverändert. Das im TRUS gemessene Prostatavolumen verkleinerte sich signifikant um ca. 16 %. In der Druck-Fluß-Messung blieben klassische Parameter der Auslaßobstruktion unverändert, allerdings war eine signifikante Zunahme der theoretischen Querschnittfläche der Flußsteuerzone (Atheo), einem Modellparameter, der sich aus dem Anstiegswinkel der PURR ableitet [29], zu verzeichnen (Abb.6).
Die Erhöhung des PURR-Anstiegswinkels (Abb.7) bei unveränderten Fußpunkt entspricht einer Verbesserung der Elastizität der prostatischen Urethra, was letztlich die in allen Ergebnissen berichtete Verbesserung der Uroflows erklärt. Die TUMT hat damit einen spezifischen Effekt auf die Auslaßobstruktion, der allerdings unter dem einer TURP bleibt. Die Daten zur objektiven Veränderung
der Auslaßobstruktion sind inzwischen international bestätigt worden [5,31].

Abb.4
Abb.5

Diskussion

Es ist ohne Frage berechtigt, daß neue alternative Behandlungsverfahren mit vernünftiger Skepsis hinsichtlich ihrer Effektivität diskutiert werden. Dies muß für alle BPH-Therapieformen gelten - auch für den " Goldstandard" TURP, für den nach 40 Jahren Anwendung die Erfolgs- und Komplikationsraten transparent sind. 400 000 Patienten werden jährlich in den USA transurethral prostatektorniert. Die TURP ist damit die häufigste Operation am Urogenitaltrakt und ist mit jährlich 5 Mrd. Dollar der zweitteuerste Eingriff in den USA [19]. 75 % der Patienten unterziehen sich dieser Operation aus Gründen einer subjektiven BPH-Syrnptomatik und nicht aus strengerer Indikation wie Harnverhalt, wiederholte Harnwegsinfektion, Harnstauung oder Nierenversa- gen [21]. Die generelle Responserate liegt bei 80 %, die Mortalität sank in den letzten 20 Jahren auf nunmehr 1 %, wobei die Morbidität unverändert bei 18 % liegt [21, 23].

Die TURP ist nur in Narkose und stationär durchführbar. In 6,5- 10,5 % ist die Gabe von Bluttransfusionen erforderlich. Die postoperativen Komplikationen sind Impotenz (3,5-10 %), Inkontinenz (0,4-2,3 %), Harnwegsinfektion (2,3-8,4 %), Epididymitis (1,2-4,8 %), längerer Katheterismus (8,7-21.,2 % am 5. post- operativen Tag), Harnröhrenstrikturen (3,5 %), Blasenhalssklerose (3 %) und eine retrograde Ejakulation bei der Mehrheit der Patienten [21-23]. Bei ca. 15 % der Patienten ist eine zweite TURP innerhalb von 10 Jahren erforderlich [33].

Die Komplikationsrate ist verglichen zur TURP hinsichtlich Mortalität und Morbidität deutlich geringer. Bekannte Komplikationen der TURP wie Impotenz, retrograde Ejakulation, therapiepflichtige intra- und postoperative Blutungen, Harnröhrenstrikturen und Harninkontinenz treten entweder nach Thermotherapie überhaupt nicht auf oder sind in ihrem Prozentsatz deutlich ge- ringer. Im Unterschied zur TURP kann die TUMT ambulant und ohne Narkose durchgeführt werden. Bei einigen Patienten ist eine Spasmoanalgesie während der Behandlung erforderlich. In der Analyse der Effektivität TUMT - TURP müssen reproduzierbare Untersuchungen des Effektes auf die Auslaßobstruktion durchgeführt werden. Im Falle der TUMT stand die Frage, inwieweit ein nicht ablatives Verfahren den Auslaßwiderstand über eine postu- lierte Schrumpfung des intraprostatischen BPH-Gewebes zu senken vermag. Prinzipiell ist festzustellen, daß diese speziellen Daten zur Auslaßobstruktion bei der überwiegenden Mehrheit anderer alternativen Therapiemethoden zur benignen Prostatahyperplasiebehandlung unzureichend dokumentiert sind. Einige wenige Daten existieren zur TURP, wo- bei diese Ergebnisse eine sichere Verbesserung der mechanischen Obstruktion nach Therapie zeigen, zum anderen jedoch nachgewiesen haben, daß etwa 30 % der Patienten, die mit einer TURP behandelt werden, primär nicht obstruktiv sind [28, 30].

Es ist zwischenzeitlich exakt dokumentiert, daß ausschließlich kombinierte Druck-Fluß-Messungen den mechanischen Auslaßwiderstand einer benignen Prostatahyperplasie nachweisen können. Hierbei ist die Anwendung spezieller hydrodynamisch begründeter Algorithmen zur Druck-Fluß-Analyse notwendig
[16,30]
Außer der theoretischen Querschnittfläche der Flußsteuerzone verändert sich kein klassischer Parameter der Druck-Fluß-Messung. Insofern sind die Ergebnisse, gemessen an dem dokumentierten Einfluß der TURP auf die Senkung des mechanischen Auslaßwiderstandes, nicht vergleichbar, was bei dem bekanntermaßen nichtablativen Verfahren der TUMT gegenüber der Gewebsresektion bei TURP nicht verwundert. Allerdings zeigt die TUMT einen speziellen Effekt auf die Auslaßobstruktion, der jedoch quantitativ den einer TURP nicht erreicht: Zum Eröffnen der Urethra bei Miktion ist auch nach TUMT ein identischer urethraler Öffnungsdruck erforderlich. Die durch TUMT verursachte Verbesserung der Elastizität der prostatischen Urethra führt andererseits zu einer signifikanten Senkung des nach der Öffnung der Urethra erforderlichen Druckzuwachses während der Miktion.

Wenn man alle derzeitig verfügbaren Informationen über Formen der Alternativtherapien, ihre Komplikationsraten und Behandlungsergebnisse bei der benignen Prostatahyperplasie zusammenfaßt, läßt sich feststellen, daß die transurethrale Mikrowellenthermotherapie vom Therapieansatz her zunächst nicht mit ablativen Verfahren wie der transurethralen Resektion zu vergleichen ist. Das gilt sowohl für die Effekte auf die Auslaßobstruktion gegenüber der TURP, andererseits jedoch auch für die wesentlich niedrigere Komplika- tionsrate durch die TUMT.

Da die TUMT hinsichtlich der Verbesserung der subjektiven Symptome mit denen der TURP konkurrieren kann, die Auslaßobstruktion jedoch nur geringgradig verändert wird, findet die TUMT ihre Indikation klar bei typischen BPH-Beschwerden mit geringgradiger Obstruktion. Der Obstruktionsgrad ist nur urodynamisch mit einer Druck- Fluß-Messung nachzuweisen, was die Diskussion der generellen Notwendigkeit einer urodynamischen Untersuchung vor BPH-Therapie eröffnet. Ist ein geeigneter Obstruktionsgrad dokumentiert, ist bei diesen Patienten der Einsatz der transurethralen Mikrowellenthermotherapie hinsichtlich aller bekannten Informationen optimal. Gegenüber einer medikamentösen Therapie besitzt die TUMT den Vorteil der einmaligen Anwendung. Da eine mild-obstruktive BPH nicht notwendigerweise höhere Stadien der Erkrankung durchlaufen muß, kann die transurethrale Mikrowellenthermotherapie bei einem noch in Langzeitstudien zu klärenden Prozentsatz der BPH-Patienten durchaus eine definitive Therapieform darstellen. Eine transurethrale Resektion der Prostata ist bei milder urodynamischer Obstruktion wegen gut dokumentierter, vergleichbar hoher Komplikationsraten und nicht notwendiger operativer Geweberesektionen ein "overtreatrnent" und nur noch mit Einschränkungen zu rechtfertigen. Daß die Kosten für eine TUMT denen der TURP vergleichbar oder sogar niedriger sind, die Behandlung ambulant und ohne Narkose durchführbar ist, unterstreicht den empfohlenen stadiengerechten Einsatz der TUMT. Die transurethrale Resekti- on der Prostata besitzt nach wie vor ihre Indikation bei BPH mit mechanischer Obstruktion. In diesem Bereich konkurriert die transurethrale Resektion der Prostata ganz klar mit anderen ablativen Verfahren, die so gesehen jedoch auch außerhalb des Vergleiches mit der transurethralen Mikrowellentherrnotherapie liegen dürften. Inwieweit eine Erhöhung der Energie bei der TUMT (Erhöhung der intraprostatischen Temperatur auf 70 ´C) mit der nunmehr verfügbaren veränderten Softwaresteuerung der Maschine auch eine Ablation ("Thermoablation") von Prostatagewebe zur Folge hat und damit eine Therapie der obstruktiven Form der BPH möglich wird, bleibt abzu- warten und muß in klinischen Studien objektiviert werden.

Zusammenfassung

Die TUMT ist ein Mikrowellentherapieverfahren, das von der Hyperthermie durch höhere intraprostatische Temperaturen mit irreversibler Schädigung von benignem Prostatahyperplasiegewebe abgrenzbar ist. Sowohl die subjektiven Symptome als auch die objektiven Daten wie maximale Harnflußrate und Restharn werden durch TUMT auch im Unterschied zu Placebo verändert. Im Vergleich zur TURP konnte nachgewiesen werden, daß erwartungsgemäß die Verbesserung der objektiven Daten wie bei der TURP nicht erreicht werden können, während die Verbesserung der subjektiven Symptome der der TURP vergleichbar ist. Die Komplikationsrate ist verglichen zur TURP hinsichtlich Mortalität und Morbidität deutlich geringer. Im Unterschied zur TURP kann die TUMT ambulant und ohne Narkose durchgeführt werden. Die TUMT zeigt einen speziellen Effekt auf die Auslaßobstruktion, der jedoch quantitativ den einer TURP nicht erreicht. Die TUMT findet somit ihre Indikation bei Patienten mit typischen BPH-Beschwerden und geringgradiger Obstruktion. Bei diesen Patienten ist der Einsatz der transurethralen Mikrowellenthermotherapie optimal, während eine TUR-P wegen gut dokumentierter, vergleichbar hoher Kom- plikationsraten und nicht notwendiger operativer Geweberesektionen ein "overtreatment" darstellt und nur noch mit Einschränkungen zu rechtfertigen ist. Im Ver- gleich zur TUMT besitzt die transurethrale Resektion der Prostata nach wie vor ihre Indikation bei BPH mit mechanischer Obstruktion.

Schlüsselwörter

Thermotherapie - benigne Prostatahyperplasie - Urodynamik